Methoden zur Überwindung auditiver Barrieren

Worum geht’s? 

Das Radio ist neben dem Fernseher das am weitesten verbreitete Medium und auch Podcasts gewinnen laut dem »media activity guide 2021« der Seven.One Entertainment Group immer mehr an Bedeutung. Für Menschen mit eingeschränkten auditiven Wahrnehmungsfähigkeiten können verschiedene Schritte unternommen werden, damit sie ebenfalls diese beliebten Medien konsumieren können.

Gehörlose Menschen

Schwerhörige Menschen

…lebten 2019 laut der »Schwerbehindertenstatistik« von dem Statistischem Bundesamt in Deutschland. Von den tatsächlichen Gegebenheiten weichen diese Zahlen ab. Behinderungen sind nicht meldepflichtig, außerdem existieren unterschiedliche Definitionen für Gehörlosigkeit. Deswegen kann bei diesen Angaben von einer gesicherten unteren Grenze gesprochen werden.

Untertitel

Gehörlose oder hörgeschädigte Menschen benötigen Untertitel, um an Bewegtbild oder Tonaufnahmen teilhaben zu können. Auch ältere Menschen und Personen, die Medien ohne Ton oder in lauten Umgebungen konsumieren, profitieren von Untertiteln. Die allermeisten Plattformen haben die Möglichkeit, Untertitel zu aktivieren oder einzubetten. Medien wie YouTube, Instagram und TikTok bieten zudem auch die Möglichkeit, Untertitel automatisch zu generieren. Diese sollten jedoch stets manuell überprüft werden, um fehlerhafte Namen und Informationen zu vermeiden.

Die öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlands einigten sich 2015 auf konkrete Richtlinien zur Erstellung von Untertiteln. Diese bieten auch für Unternehmen, Contentccreator*innen oder Privatpersonen eine gute Grundlage. Die ausführliche Version gibt es hier:

Untertitelrichtlinien der öffentlich-rechtlichen Sender

Um einen Überblick zu erlangen, werden im Folgenden die wichtigsten Reglungen in drei Kategorien unterteilt:

Videoausschnitt mit dem Text: "0,1 % Menschen sind gehörlos." Darunter zwei Kästchen mit Haken: "Untertitel" und "Gebärdensprache"

Formal ist zu bedenken, dass Einblendungen immer zeitgleich mit dem Ton und möglichst lippensynchron erscheinen sollten. Die Zeilen müssen nach Sinneinheiten aufgeteilt werden und unten mittig im Bild positioniert werden. Es sollten stets maximal zwei Zeilen eingeblendet werden. Falls unten bereits Text vorhanden ist, können die Untertitel mittig oben Platz finden. Die Schrift sollte kontrastreich und gut lesbar auf dem jeweiligen Hintergrund positioniert werden. Sie sollte mindestens zwei Sekunden zu sehen sein, was einer Lesezeit von 13-15 Zeichen pro Sekunde entspricht.

Untertitel müssen nah am Original sein und nur falls nötig ohne Informationsverlust umformuliert werden. Die Untertitel sollten nach neuer deutscher Rechtschreibung geschrieben sein. Zahlen werden als Zahl und nicht als Text dargestellt.

Typografisch ist zu beachten, dass Gedanken, Off-Sprache und Geräusche in Klammern geschrieben werden sollten, zitierter Text in Anführungszeichen. Außerdem werden bei der Nennung von Namen und Sprecher*innen, wenn sie nicht im Bild sind oder viele Personen gezeigt werden, Doppelpunkte zur Kenntlichmachung genutzt. Bei Bedarf können Personen verschiedene Farben zugeordnet werden. Wenn Musik spielt, wird diese mit ihrem Stil benannt. Liedtexte werden mit Rauten (#) markiert.

Gebärdensprache

Screenshot vom heute journal. Eine Frau gebärdet.

Bei der Gebärdensprache wird mithilfe von Gestik, Körperhaltung sowie Mimik und dem Mundbild kommuniziert. Die einzelnen Elemente werden zu Wörtern und Satzkonstruktionen zusammengefügt. Die Sprache wird vor allem von gehörlosen oder hörgeschädigten Menschen verwendet.

Gebärdensprache ist nicht universell und unterscheidet sich je nach Land, es gibt auch Dialekte. In Deutschland wird primär die deutsche Gebärdensprache, kurz »DGS« genutzt. Diese wird als offizielle Sprache anerkannt, da Gebärdensprache im selben Hirn-Areal wie Lautsprache verarbeitet wird.

Texte müssen von professionellen Übersetzer*innen in Gebärdensprache übersetzt werden, da Gebärdensprache eine andere Satzstruktur als Lautsprache aufweist und somit nicht eins zu eins zu übersetzen ist.

 

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